18 Feb

VBA Woche 1: Pause? Keine!

VBA, was ist das? Viele nennen es “versuchen beschäftigt auszusehen”, da die Arbeitsbeschäftigung in dieser Zeit sehr niedrig ist. Normalerweise…
 
In dieser Woche wurde ich leider vom Gegenteil überzeugt – zumindest teilweise.
 
Dienstag: Hallo Welt
Einen Vorteil hatte der Standort Drognens. Wir mussten nicht wie alle anderen am Montag einrücken, sondern erst am Dienstag um 10:00 Uhr erscheinen. Wir wurden von einem Transportlastwagen abgeholt, wo wir wie ein paar Munitionskisten hinten “eingeladen” wurden und vom Bahnhof Romont in die Kaserne Drognens verschoben.
 
Der erste Tag war geprägt von organisatorischen Sachen, diverse Informationen über die VBA und den Dienstbetrieb in der Kaserne, Materialkontrolle, Fassung des Kompaniematerials, noch einmal Materialkontrolle und natürlich musste die Zimmerordnung erstellt werde.
 
Wir hatten das Gefühl, dass die Zimmerordnung in allen Kasernen identisch ist, was aber anscheinend nicht der Fall ist. So ist die Ordnung in Drognens komplett anders als auf dem Ceneri. Einige Sachen können gar nicht sinnvoll verstaut werden, aber das interessierte den Feldi nicht.
 
Beim höheren Kader sehen wir auch das völlige Gegenteil vom Ceneri, diese sind extrem Stolz auf das Militär und wollen, dass alles jederzeit perfekt ist. “Ich will kein Gut in der Inspektion, ich will mindestens ein sehr gut”.
 
Kurz zusammengefasst, das Verhalten musste wie in den ersten RS-Wochen sein.
 
Tadellos.
 
Mittwoch: Picasso Vol. 2
Die heutigen Arbeiten waren von der RS bestens bekannt: Fahrzeuge fassen, Parkordnung erstellen und Wegweisertafeln bemalen.
 
Das ALC befindet sich auf der anderen Seite von Romont, und bei der Verschiebung sahen wir, wie schön die Gegend ist. An wolkenlosen Tagen sieht man sehr schön die Berge, und die Altstadt von Romont liegt malerisch auf einem Hügel. In Kombination sieht dies grossartig aus (auch wenn wir aufgrund unseres Transportfahrzeuges nur einige flüchtige Ausschnitte erblickten).
 
Beim Ziel angekommen, warteten wir erstmals 20 Minuten auf die Öffnung des Zentrums. Die Fahrzeugfassung war an sich eine langweilige Sache, Funktions- und Materialkontrolle der Motorräder, Puchs, Sprinter, Vivaros und Jumpys.
 
Die Organisation mit der LBA war leider auch nicht die beste, somit mussten wir am Mittag fast zwei Stunden auf weitere Aktionen warten. Aber die LBA braucht natürlich ihre 1,5 Stunden Mittagspause.
Interessant war die Grösseneinschätzung des Kadi-Stv beim Motorradkleider fassen. Ich erhielt eine Hose mit der Grösse “S”, welche ich knapp bis zu den Knien ziehen konnte. Das “M” ging schon besser, der Knopf war aber mindestens 15 cm vom Ziel, dem Knopfloch, entfernt. Schlussendlich konnten sie mir aber doch noch ein “L” besorgen, somit stand der Rückverschiebung nichts mehr im Wege.
 
Zurück in Drognens, durften wir 200 Wegweisertafeln beschriften, dies war angesichts des schönen Wetters eine gemütliche Sache, dabei kamen wir gut voran und wurden zeitig fertig.
 
Am Abend hatten wir einen kleinen Ausgang, den wir mit paar Bier, leider zu wenig Wasser (was ich am nächsten Morgen spürte) und etwas Chips in der Soldatenstube verbrachten.
 
Donnerstag: Unter Beobachtung
Der Donnerstag begann sportlich mit dem TriFit Test, den wir alle mit bescheidener Motivation und Einsatz mitmachten, da es sowieso nicht relevant war. Meine Paradedisziplin waren die Grösse und das Gewicht, wo ich ganz vorne mitspielte (wieso auch immer dass sie das wissen müssen).
 
Die restliche Zeit am Morgen und den ganzen Nachmittag absolvierten wir Repetitionsposten. Rad wechseln, Kartenkunde, Funkgerät, Fernbedienungsanlage und Erkundungsskizze. Nicht besonders interessant, aber die Zeit ging schnell vorbei.
 
Die hohen Kader waren in dieser Woche wohl sehr unterbeschäftigt, sie waren dauernd auf Platz und unsere Gruppenführer standen unter genauer Beobachtung, was ihnen den einen oder anderen Rüffel bescherte. Allgemein hatten sie immer etwas, worüber sie sich beklagen konnten und was nicht zu ihrer vollsten Zufriedenheit war.
 
Am Abend gab es eine Theorie zur aktuellen Lage in der VBA vom Einheits-Berufsoffizier. Dieser ist sehr eloquent (bin nicht eingeschlafen), aber etwas zu sehr überzeugt von sich und der Armee. “Steigen Sie in die Politik ein”. “Was meinen Sie, wer das Land beschützt, wenn die zivilen Behörden versagen? Der Zivilschutz?”. “Ich habe grossen Respekt vor Ihnen, da Sie ihren Dienst am Land entrichten”.
 
Anschliessend folgte eine Kompanieschule (Zugschule im grossen Masse), und aufgrund der morgigen Inspektion einige Sequenzen Zugschule. In der Kompanieschule muss man sich auf Achter-Glieder sammeln, was gar nicht so einfach ist wie es klingt. Erst nach dem dritten Anlauf schafften wir es tatsächlich, die korrekte Anzahl aufzustellen – im ersten Versuch waren es sechs Leute, im zweiten schon sieben…
 
Freitag: Kopf herunter und los
Wollte schreiben „Gring abe u hüü“, aber das verstehen vielleicht nicht alle Leser, sorry!
 
Im Schlamm robben und Dreck fressen, dies durften wir zur Abwechslung auch einmal tun. Eine allgemeine Grundausbildungsrepetition stand auf dem Programm, was in Form einer Manipulations-Drillpiste, einem ABC Parkour und einer Sanitäts-Übung umgesetzt wurde. Dreck, Schweiss und Regen, eine wunderbare Kombination, die uns den ganzen Morgen begleitete.
 
Als wäre es nicht genug, folgte am Nachmittag eine Zugschulinspektion vom Kompaniekommandanten, welche wir trotz wenig Übung (eine Stunde) und sehr vielen Leuten (ungefähr 50) mit gutem Resultat abschlossen. Nur die Zugspräsentation am Anfang war schlecht, aber nach einem solchen Morgen kann man nicht erwarten, dass alle Gewehre und GTE’s perfekt sauber sind – Tschuldigung!
 
Der krönende Abschluss war ein 5 km-Marsch in ABC-Vollmontur, inklusive Schutzmaske und viel zu engen Gummihandschuhen (diese zwei Sachen verwandelten sich unterwegs in einen See von Schweiss und Sabber).
Nach dem Abendessen erledigten wir den wichtigsten Job der ganzen Woche, den Wochenparkdienst an den Fahrzeugen, die wir zwei Tage vorher gefasst hatten und keinen Kilometer damit gefahren sind.
 
Sinn dahinter? Keiner!
 
Samstag: Eins von fünf
Die erste Woche war nicht gerade das, was wir uns erhofft hatten von der VBA. Wenige Pausen, ständiges Programm, kein “versuchen beschäftigt auszusehen”, denn wir waren tatsächlich beschäftigt und gefordert. Das Schöne daran ist, das wir von einigen Leuten, die an anderen Standorten sind, regelmässig Informationen über ihre Tätigkeiten erhalten: Wache, Pause, Schlafen, Ausgang, Freitagsabtreten, Znünipause mit Nussgipfel und Kaffee, Fernsehprogramm erkunden, Töfftour usw.
 
Aber genug der Klage, nur noch vier Wochen trennen uns vom Abschied von Drognens, diese kurze Zeit werden wir überstehen.
 
Um 07:00 waren wir nach dieser kurzen langen Woche beim Bahnhof in Romont und warteten auf den Zug Richtung Heimat.

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