12 Mrz

„Übung Pluton“

Nun war es soweit, die “langersehnte” Durchhalteübung war endlich da. Langersehnt aber wohl nur aus dem Grund, weil dies schon fast der Abschluss der VBA in Romont ist, für einige sogar der Abschluss des Militärs (zumindest bis zum ersten WK).
 
Donnerstag: Gewitter
Auf jeden Fall habe ich auf der Autobahn einen Blitz gesehen, auch wenn ich mir bis heute nicht ganz sicher bin, ob dieser einen natürlichen Ursprung hatte oder nicht.
 
Für die Verschiebung nach Seewen war ich glücklicherweise als Puchfahrer eingeteilt, da die Motorradfahrer sehr schlechtes Wetter erwischt hatten, um eine Tour durch die Schweiz zu machen…
Bevor wir aber die Zivilschutzanlage betreten konnten, musste das Vordetachement alles vorbereiten, somit warteten wir fünf Stunden in einem gesicherten Halt (= Wache stehen und gelangweilt in die Welt hinausgucken).
 
Endlich in der ZSA angekommen, erhielt ich einen “kleinen Job für heute Abend” (gemäss unserem Fourier), ich war als Offiziersordonnanz eingeteilt. Dies ist nichts Spektakuläres, ich musste nur den Offizieren beim Mittag- und Abendessen das Essen und Trinken in das Offizierszimmer bringen.
 
So wurde ich ohne grosse Zeremonie zur “Serviertochter” der Offiziere für die ganze Woche “befördert”.
Nach dem Essen erzählte uns der Feldi wie es in der ZSA zu funktionieren hat, und vor dem Schlafen richteten wir unser Zimmer ein.
 
Fazit vom ersten Tag: Das Schwierigste an dieser Durchhaltewoche wird wohl sein, dass das Gesicht nicht einschläft…
 
Freitag: Panzerknacker
Die Autobahn in der Region Seewen war gesperrt (zumindest in den Träumen der Übungsleitung), somit mussten wir für sieben Stunden eine Einbahn am Laufen halten.
 
Klingt spannend? Ist es auch (nicht).
 
Da war ich doch schon fast froh, konnte ich am Mittag zurück, um meinen Job als Offiziersordonnanz zu machen. Dies ging leider nicht den ganzen Nachmittag, somit kehrte ich zurück zu den Anderen, um wieder Wache stehen zu können.
 
Was wir aber nicht merkten, dass ein Dieb etwa 200 m weiter entfernt vor unseren Augen ein Auto knackte und ausräumte (der hat Eier aus Stahl). Die Polizeipräsenz etwas später bestätigte dies und machte sich bezahlt, als sie eine Stunde später eine Person festnahmen (anscheinend war dieser Hobbydieb im Raum Seewen bekannt).
 
Das wirkliche Highligt des Tages waren einige Kinder, die uns den ganzen Nachmittag etwas unterhielten und grosse Freude hatten.
 
Am Abend hatten wir eine kleine Sequenz Zugschule und eine kleine Zugsaussprache, bevor wir (nach einer kalten Dusche) ins Bett gingen.
 
Fazit vom zweiten Tag: Das Schwierigste an dieser Durchhaltewoche wird definitiv sein, dass das Gesicht nicht einschläft.
 
Samstag: Geschichte für das erste Date
Das Aufstehen am Samstagmorgen war besonders hart, da wir alle wussten, dass wir nun eigentlich Wochenende hätten, wäre da nicht diese sogenannte “Durchhaltewoche”.
 
Das Programm am Morgen war sehr gemütlich, es gab verschiedene Posten, die wir in Gruppen absolvierten: Was macht der Feldi? (Nicht viel) Was macht der Fourier? (nichts) Was ist die Transportzentrale? (absolut gar nichts) Wie ist die Wache aufgebaut? Dies und mehr schauten wir an diesem Morgen an.
 
Nach dem Mittag wäre Sport angesagt gewesen, dass ich aber praktisch ganz verpasste, da ich mit servieren und aufräumen beschäftigt war. Schade…
 
Da jede Durchhaltewoche einen geschichtlichen Teil beinhalten muss, fuhren wir in einem Lastwagen nach Morgarten, wo uns der Kadi einen Vortrag über die historische Schlacht hielt. Der Berufsoffizier sagte auch ein paar Worte dazu: Geschichte ist etwas sehr Wichtiges, wir sollen dies auch an unsere Bekannten oder später unsere eigenen Kinder weitergeben. Ausserdem schlug er vor, dass dies ein gutes Ziel für das erste Date ist (sexy History).
 
Natürlich hatten wir auch etwas Zeit, die schöne Aussicht auf den Ägerisee zu geniessen.
 
Nach dem Abendessen kam ein Feldprediger für die Besinnung, die leider etwas “zu speziell” war – zumindest für mich.
 
Sonntag: Weg (wir)
Früh machten wir uns auf den Weg nach Neuenegg (nähe Flamatt), wo acht Leute von unserer Kompanie am Neueneggschiessen teilnahmen. Eine willkommene Abwechslung, war es doch schön, einmal ohne Kader selbstständig irgendetwas zu tun. Die zurückgebliebenen gingen auf den 35 km Marsch, wo ich definitiv nicht unglücklich war, einen Tag abwesend zu sein.
 
Ich war Detachement-Chef, hatte aber nicht die geringste Ahnung wohin es eigentlich geht oder was wir genau machen mussten. So sind wir immer den Menschen in demselben Tenu wie wir gefolgt, kamen so zum alten Denkmal für eine Gedenkfeier.
 
Diese ging ca. eine Stunde (zu lang), bevor wir wieder auf den Dorfplatz marschierten und uns ein Restaurant suchten, wo wir die zwei Stunden bis zum Schiessen überbrücken konnten.
 
Das Schiessen selber war sehr speziell, da die Ziele und die Schiessplätze mitten auf einem Feld waren, sehr “Old-School”. Spass hat es gemacht, auch wenn die zwölf Schüsse sehr schnell auf die ca. 130 m entfernte Scheibe geschossen waren.
 
Um 12:00 Uhr gab es eine Berner-Platte in einem Restaurant, 3,5 Stunden später war die Rangverkündigung, und weitere zwei Stunden später waren wir wieder in Seewen zurück.
 
Gerade rechtzeitig, um meinen Job als Service-Boy wieder aufzunehmen…
 
Montag: Vitamin D Mangel
Den ganzen Tag in der ZSA sitzen und zeichnen. Ich weiss nicht ob dies erfreulich ist oder nicht. Der Auftrag vom Dienstag war ein Munitionstransport bis Chur (für die nächste Inf-RS, diese Armen), der von uns begleitet werden sollte. Mittlerweile ein Routineauftrag für uns, da wir dies in der VBA sicher schon sechs mal gemacht haben.
 
Im Klartext heisst dies, dass die ganze Strecke erkundet werden musste (zeichnen) und das Ganze auf einer grossen Erkundungsskizze präsentiert werden musste – unser Auftrag.
 
Der Tag war also nicht sehr spannend – Raster erstellen, Landkarte zeichnen, Städte, Wälder, Flüsse, Seen, Marschroute, Kreuzungen und Kreisel draufpflatschen – fertig!
 
Dienstag: Weg (die Anderen)
Der beste Befehl, den wir bis jetzt im Militär erhalten haben: “Seid nicht vor 15:30 Uhr zurück in der ZSA”.
 
Ich war als Lotse eingeteilt, war also die Spitze des Konvois und dafür verantwortlich, dass die Lastwagen mich immer sehen und mir nachfahren konnten. Da die ganze Route mit Wegweisern markiert war, sollte dies eigentlich keine Probleme geben.
 
Eigentlich.
 
Als wir gegen Ende der Route auf die Autobahn fuhren sollten, sah ich die Anderen in eine andere Kreiselausfahrt direkt vor der Autobahn fahren, und weg waren sie.
 
Shit.
 
Leider wurde ein Wegweiser falsch platziert, und da sie mich in diesem Moment nicht gut sahen, verliessen sie den Kreisel in die angezeigte Richtung – ein Fehler. Ich ruf unseren Zugführer auf dem nächsten Autobahnparkplatz an, er sagte mir ich soll in Chur ab der Autobahn und auf den Konvoi warten.
 
Zurück auf der Autobahn, waren die Lastwagen plötzlich wieder direkt hinter mir, Glück gehabt und Problem gelöst!
 
Der restliche Tag verlief ohne Probleme, wir hielten den erhaltenen Befehl ein und machten einen kleinen Abstecher vor der Rückkehr, um ja nicht zu früh in Seewen anzukommen. Der Grund dafür wurde später genannt, der Schulkommandant war zu diesem Zeitpunkt zu besuch.
 
An diesem Abend gab es für die Offiziere ein Extramenu (fünf Gänge), darum wurde es ein langer Abend für mich, da ich immer noch die Offiziersserviertochter war. Immerhin gab es später ein Cognac und ein Bier, leider musste ich aber die gemütliche Runde in der Küche später verlassen, da ich am nächsten Tag auf dem Motorrad sass…
 
Mittwoch: Schalten ist schwer
Wie in einem Lager musste vor der Rückreise die Unterkunft geputzt werden. Nun gut, natürlich gehört dazu, dass man den verursachten Dreck auch wieder wegräumt. Gesagt, getan.
 
Der Rückweg mit dem Motorrad war eher kalt, und nach zwei Stunden auf der Autobahn wurde das Schalten bei der Ausfahrt in der Nähe von Romont zu einer grossen Herausforderung, da man die Hände zuerst von der Schockstarre befreien musste.
 
Am Nachmittag hatten wir überhaupt nichts zu tun, bevor die Übungsbesprechung durchgeführt wurde. Diese verpasste ich aber, da ich in der Nacht auf der Wache eingeteilt war. Darum verpasste ich leider auch den Ausgang, den wir uns nach der Durchhaltewoche meiner Meinung nach verdient hatten.

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